Große Stimmen im kleinen Saal: Viva Voce riss im Heimhof-Theater die Besucher von den Stühlen. Foto: hbgEine Boygroup der etwas andern Art, die ihre überwiegend weiblichen Fans auch über die Altersgrenze hinaus mitnimmt, ist das fränkische Quintett Viva Voce. Im Siegerland durch etliche Auftritte in früheren Jahren bestens bekannt und geschätzt, rissen Heiko Benjes, Jörg Schwartzmanns, Bastian Hupfer, David Lugert und Mateusz Phouthavong auch bei ihrer Premiere im Heimhof-Theater das Publikum von den Sitzen.
Unbekümmert frisch hautnah und unplugged in der Präsenz, legten sie eine Unplugged-Vokalshow vor, die in Sachen Stimmkunst keine Wünsche offen ließ. Dem Flair der kleinen Säle Rechnung tragend, trumpften Viva Voce ganz groß auf.
Die Jungs aus Ansbach sprühten nur so vor Elan, Charme und guter Laune, die sich von Beginn an auf das begeistert mitgehende Publikum übertrug. Von klassischen A-cappella-Spielarten bis zu modernen Beats und Rhythmen, die von den Bass- und Schlagzeug-Cracks Heiko Benjes und Jörg Schwartzmanns nur mit ihren Stimmen auf Betriebstemperatur gebracht wurden, reichte das Spektrum der Vokalkünstler, die sowohl mit ihren Harmoniegesängen als aus mit ihren solistischen Höhenflüge, die sie glatt für Bayreuth prädestiniert, glänzten.
Die Lightshow stimmte ebenso wie die Tanzkunst von Viva Voce, die exzellent choreografiert selbst irischen Tap Dance und indischen Tempeltanz einschloss. Absolut up to date – bis hin zum kurzfristig einstudierten Burbach-Lied, das Viva Voce nach Beendigung ihres Unplugged-Konzerts im Foyer des Heimhoftheaters vortrugen – war das Set des Quintetts.
Auch wenn man sich textlich schon mal bei Goethe und Rilke bediente, die Melodie „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ aus der Operette „Im weißen Rössl“ für einen Plagiat-Song auf Karl-Theodor zu Guttenberg verwendete, war man doch ganz dem Zeitgeist verpflichtet.
Facebook, die Small-Talk-Manie und die Verblödungsmasche der Unterhaltungsindustrie, waren Steilvorlagen für die beißenden Spottlieder von Viva Voce. Die aktuellen Chart-Hits, ihre zu Jubelstürmen hinreißende Version des Tokyo-Hotel-Songs „Durch den Monsun“, und ihr Medley mit 1990er Klassikern wie „I Like To Move It“ oder „It’s My Life“, boten dem Quintett Gelegenheit, sich mit stimmlicher Fulminanz zu entfalten. (hbg)
Doch letztlich waren es die eigenen Lieder und Balladen über die Freuden und Leiden der Liebe, die die Individualität und Klasse der seit über zehn Jahren durch die Clubs und Konzerthallen tourenden Gruppe ausmachten. Erst nach drei Zugaben, darunter die Twist-Nummer „Do You Love Me“ und die Caroline-No-Ballade „Ich habe Dir mein Herz geschenkt“, wurden die Stimmwunder von der Bühne entlassen.


