Wieder einmal hat man hat sie bei ihren unsauberen Spielen ertappt, ihrer Arroganz. Aufgeführt wird das Stück "Diplomaten als Spione". Aufbereitet von internationalen Medienhäusern, kann die Welt zuhauf Diplomaten-Einschätzungen lesen über Staatsmänner, die zwar viele geteilt haben, aber eben nur hinter vorgehaltener Hand auszusprechen wagten. Wir dürfen einen Blick werfen hinter die Fassaden der amerikanischen Außenpolitik.
Das aber mögen die USA und auch Frankreich nicht - jetzt schlägt das Imperium mit Helfershelfern wie Amazon, PayPal, Mastercard und Visa zurück und bietet gegen Wikileaks alle Mittel der Hexenjagd auf.
Die in den letzten Tagen einsetzenden Sperrungsversuche von Internetseiten von Wikileaks, die Unterbindung von Geldzuflüssen via Spenden über den Bezahldienst PayPal, die zahlreichen Angriffe auf die Wikileaks-Website sind nur die Spitze dessen, was noch folgen wird. Staaten oder vielmehr deren Regierungen mögen ein Internet der Informationsfreiheit und Transparenz nicht, wenn ihr eigenes staatliches Handeln unzensiert vorgeführt wird.
Längst allerdings werden die Wikileaks-Dokumente auf zahlreichen Mirror-Sites auf Servern in aller Welt als Kopien bereit gehalten. Und längst ist bekannt, dass in Kürze viele weitere Wikileaks-Plattformen entstehen werden. Hatten die USA wirklich geglaubt, die Verbreitung der Botschafts-Depeschen durch gezielte Angriffe auf den Wikileaks-Server noch aus der Welt schaffen zu können?
Interessanter als manch diplomatische Klatschpostille über mangelnde charakterliche Ausstattung von europäischen Staatsmännern sind die nunmehr einsetzenden Reaktionen in den USA. Da verbietet beispielsweise die US-Regierung ihren Beamten und Angestellten einfach, über Dienstcomputer auf Cablegate-Dokumente zuzugreifen und sperrt den Zugang. Oder ehemalige Kongressabgeordnete der religiösen Rechten bezichtigen die Whistleblower in der amerikanischen Regierung des Hochverrats und fordern die Todesstrafe.
Manchen scheint die "radikale Transparenz-Ideologie" (Jörg Lau) von Wikileaks als illegitim, anmaßend und auch kindisch. Frieden und Sicherheit, die internationalen Beziehungen zwischen Ländern oder sogar der Weltfrieden seien bedroht. Das ist überzogen. Vielfach wird auf die Hacker-Ideologie von Assange verwiesen. Freilich hat Wikileaks keine Server gehackt, sondern Personen haben Dokumente an Wikileaks übergeben. Wer auch immer dies getan hat, wird sich diesen Schritt reiflich überlegt haben. Cablegate ist keine Cyber-Attacke, sondern schlicht eine Online-Publikation von Quellen, deren Gesamtauswertung durch den internationalen Journalismus (und die Geschichtswissenschaft) noch aussteht.
Tatsache ist: Auch Staaten selbst sind zum globalen Dorf geworden und werden verstärkt beobachtet. Nichts und niemand auf diesem Planeten kann sein Handeln mehr verstecken, auch nicht Staaten. Mit dieser Art Transparenz werden demokratische Rechtsstaaten leben müssen, eben auch weil sie demokratische Staaten sind.


