„Ich bin spontan, ich brauche bloß Zeit mich darauf einzustellen“, verkündete der Freiburger Kabarettist Thomas Reis am Samstagabend seinen Zuhörern im Heimhoftheater. Sie, wie Reis, jenseits der 40, waren gekommen um von ihm zu erfahren, was Mann und Frau in der zweiten Lebenshälfte noch zu erwarten haben – oder auch nicht.
Ist Sex ab 40 noch ein humanitärer Akt? Was schenkt man sich mit 50? Ein Update auf einer Beauty-Form oder ein SPD-Parteibuch? Kann man überhaupt noch über die Stränge schlagen, wenn ein großes Glas Radler schon eine echte Herausforderung darstellt. Voll bizarrer Hinterhältigkeit und galligem Sarkasmus war die satirische Gerontologie-Revue „Gibt’s ein Leben über 40?“, die der 48-jährige Kabarettist Thomas Reis in zwei höchst kurzweiligen und altersgerechten Stunden zum Besten gab.
Man verstand seine Groteske über die Macke mit der Zeit, die uns nicht mehr viel Zeit lässt das Leben geregelt zu bekommen. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie schüttete Reis Spott und Hohn über abgehalfterte oder noch im Amt befindliche Politiker aus. Showgrößen wie Udo Jürgens oder Herbert Grönemeyer, dem er eine Ode an die Jugend ächzen ließ, offenbarte er die Erkenntnis, dass mit fortschreitendem Alter auch bei ihnen die Synapsen immer im heftiger japsen. Die heitere Vergeblichkeit des Strebens der Menschen über 40, mündete in die Erkenntnis, dass der Wunsch nach ewiger Jugend die vergänglichste Form der Ewigkeit ist.
Umwerfend war die Show des Kabarettisten im braunen Cordanzug, der ein Feuerwerk aus Politik, Nonsens und kruder Philosophie auf das Burbacher Publikum hernieder prasseln ließ. Wortgewaltig und von ungestümer Mimik ging Reis facettenreich dem Leben jenseits der 40 auf den Grund.“Man ist so alt wie man sich anfühlt“, verkündete der Satiriker mit präzisen Blick für den Zeitgeist, der sich im Vergleich mit seinen Alterskollegen Brad Pitt und George Clooney über die ungerechte Laune der Natur beschwerte.
Die Eitelkeit und die Macht der Eitelkeit handelte Thomas Reis an Angela Merkel ab, die wenigstens Anmut am Arbeitsplatz zeigt, während sich Bundespräsidenten Wulff als "restlos überforderte Pappnase“ erweist, der wie einst Lübke von starken Gedächtnislücken geplagt wird. „Es wird mal wieder Zeit für eine Revolution“, erklärte der Zyniker und bremste sein Ansinnen sogleich wieder aus: „Aber mit wem? Selber machen ist zu anstrengend. Was bleibt ist Seniorensport: Tennis, Golf, Bridge, Pflegstufe 1, 2 und 3.
Es ist alles nur eine Frage der Einteilung und des richtigen Timings, damit man nicht zu früh mit nichts dasteht“, wusste Reis zu berichten, der mit einer schier endlosen Fülle von Bonmots die Lachmuskeln seiner Zuhörer strapaziert. Seine skurrilen Geschichten voller Obsessionen, die letztlich daran scheitern, dass man als einstiger Draufgänger jetzt Angst, draufzugehen, mündeten in die gnädige Gewissheit, dass derjenige, der dereinst unseren Sarg trägt, kein Hoffnungsträger ist.
Mit faszinierender Mimik und rollenden Augen zeigte der Kabarettist („Kabarett ist historische Altenpflege“) und Meister des Grotesken, dass das Alter kein Zuckerschlecken ist - nicht mal in seinen Träumen. (hbg)













