Bodo Wartke, dank langjähriger Tourneen durch die Kleinkunsttempel der Republik bekannt geworden, zeigte auch bei seinem ersten Auftritt im Gläsersaal dass er ein Gewinnertyp ist. Mit perfektem Timing verstand er es, sich mit seinen Liedern über die Liebe und das Leiden so virtuos in Szene zu setzten, dass es mehrerer Zugaben bedurfte, bis das überwiegend junge Publikum den Klavierkabarettisten mit Kultpotenzial schließlich von der Bühne entließ.
Jenseits grimassierender Dumpfbacken-Comedy agierte der aus Bad Schwartau stammende und in Berlin lebende Bodo Wartke, der mit seinem vierten abendfüllenden Programm „Klaviersdelikte“ die Zuhörer zu euphorischen Beifallsbekundungen animierte. Stets verschmitzt dreinschauend, mit seinem dunkelgrauen Anzug Wohlanständigkeit vorgaukelnd, gab der Tastenzampano, der auch als Mundharmonika-, Ukulele- und Cajon-Spieler glänzte, den aufrichtigen Kämpfer wider die Widrigkeiten des Alltags und den Sklaven der Liebe.
„Probleme sind in diesem Programm das Leitmotiv“, verkündete Bodo Wartke, der sich in seinem Eröffnungslied zunächst der Probleme annahm, die er früher nicht hatte, bevor er sich doch wieder vehement mit den Frauen auf der gemeinsamen Suche nach Klärung in Sachen Liebesbedarf beschäftigte.
Für Konstanze, der Tanzlehrerin aus Konstanz, legte er furiose lateinamerikanische Tänze am Flügel ein. Nicht minder herzfrequenzfördernd war seine Eloge auf Bettina, während er in dem sanften „Frühlingslied“ eine poesievolle Liebeserklärung – Pollenallergie inklusive - im Park schilderte.
Witzig-kurios geriet Bodo Wartkes Auseinandersetzung mit dem jung sein. Zur Melodie von "Teenager In Love“ bekannte er zum Klang einer Ukulele, dass es nicht leicht ist ein Teenager zu sein. Mit munteren Reimen machte sich der Gentleman-Entertainer über die moderne Architektur, über eine Welt ohne Werbung und über die Politik der GEMA her, die festlegt, dass man bei ernster Musik keinen Spaß haben darf.
Kurzerhand trat Wartke mit einer Mundharmonika den Gegenbeweis an und ließ die Arie des Vogelfängers aus Mozarts „Zauberflöte“ in das Lied von der „Vogelhochzeit" münden: Kraftvoll und modern im Rhythmus und böse in der Verswahl wie „Wenn ich einmal vom Leder zieh, dann stirbt das liebe Federvieh“.
Die Kunst des Schweigens zelebrierte Bodo Wartke in dem Lied „Stille“, bei dem es zum Schluss im Saal mucksmäuschenstill wurde. Zuvor jedoch musste sich der Liedermacher durch die Geräuschkulisse in einem ICE und in seiner häuslichen Nachbarschaft mit genervter Stimme arbeiten.
Neue, ganz leise melancholische Töne schlug er auch in dem autobiografischen Lied „Christine“ an. Es erzählt eine Geschichte, die sich vor über 30 Jahren zugetragen hat: Wartke war drei Jahre alt, als seine Schwester im Säuglingsalter starb. Fast drei Stunden (inklusive mehrerer Zugaben) dauerte die stürmisch beklatschte und bejubelte Wartke-Revue, die mit seinem Dauerbrenner, dem multilingualen „Liebeslied“ endete. (hbg)













