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kolumne

Über alte Befindlichkeiten und neue Strukturen

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Alles spricht über Reformen. In Berlin geht es um Gesundheitspolitik, Steuern und Solarstrom. Die "schönste Nebensache der Welt, der Fußball, ist bei solchen Themen sicherlich eher eine Randerscheinung. Dennoch: Die Gemüter sind erhitzt, viele sind sprachlos und noch mehr sind sauer.

So ging es dem westfälischen Verband in Kaiserau um verkleinerte Strukturen, eine Neu-Orientierung der 33 Fußballkreise an die politischen Kreis-Grenzen. Das hättefür eine Verschmalerung um sieben Kreise sorgen - und natürlich für "Härtefälle" bei möglichen Verschiebungen.

Wir hier in Siegen-Wittgenstein waren davon nicht betroffen, Ärger stand den Machern aus Kaiserau eher aus dem Hochsauerland oder dem Ruhrgebiet ins Haus, wo wütende Proteste laut wurden. Nun, das ist mittlerweile vom Tisch, die Pläne verschwanden in der Schublade, die Basis hatte gewonnen.

Waren das die "Kleinen" in den Kreisen, so wächst bei vielen Beobachtern und Funktionären in überkreislich spielenden Mannschaften das Unverständnis über eingeleitete und längst beschlossene Maßnahmen in den Liga-Strukturen. Dass es so kommen wird, wie beschlossen, daran wird kein Weg mehr vorbei führen, doch darf auch kurz vor Toresschluss dieser Spielzeit nach wie vor am Sinn dieser Reform gezweifelt werden.

Man stelle sich vor, um dem Reformgeist die Spitze aufzusetzen, der NRW-Liga-Meister könnte als Bonus ins Aufstiegsrennen der 3. Liga eingreifen. Eine Liga überspringen, wie es die beiden nun fest stehenden Meister der Westfalenligen, Lippstadt und Wattenscheid, in Sachen Regionalliga-Relegation angehen dürfen. Wäre eine solche Möglichkeit von vornherein vorgesehen gewesen, die Lacher hätte man auf seiner Seite gehabt.

Dass die Meister der sechsten Liga die "historische Chance" nutzen wollen, ist verständlich. Die, die das finanzielle Hochzüchten der Kader nicht mitgemacht haben, haben die Regionalliga-Lizenz erst gar nicht beantragt. Der FC Wegberg-Beek ebenso wenig wie der FC Hennef, die in der Mittelrhein-Liga noch für Platz eins in Frage kommen. In Westfalens zweiter Sechstliga-Staffel hat das außer Wattenscheid auch niemand getan, so dass es für die SpVg Erkenschwick zwar ganz schön war zuletzt eine so tolle Serie zu erzielen, aber doch nicht mehr dabei herum kommen kann, als der Sprung in die neue (alte) Oberliga Westfalen.

Hier sind in den verbleibenden zwei Spielrunden nun dem Zufall - viele sagen auch dem "gemachten Zufall" - Tür und Tor geöffnet. Schon das Erkenschwicker "Stopp-Signal" nach acht klaren Siegen in Serie am Sonntag in Brünninghausen sorgt für Verwunderung bei den am Abstiegskampf beteiligten Konkurrenten der Dortmunder Vorstädter. Hier in Südwestfalen hatte man immer schon den Eindruck, dass die Ruhrgebiets-Vereine lieber unter sich bleiben, als kostenträchtige Auswärtsreisen in beschauliche Regionen des Sauer- oder Siegerlands zu unternehmen.

In anderen Spielklassen, wie der NRW-Liga oder der Regionalliga, hält die Reform das für viele Klubs sanfte Ruhekissen des Nicht-Abstiegs bereit. Das ruft seit Wochen bei vielen Akteuren Langeweile auf den Plan, die einige Kapriolen hervor bringt. Was sich das Essener Rot-Weiß-Trio dabei gedacht hat, mal eben einen Betrag auf die eigene Niederlage gegen Borussia Dortmunds U23 zu wetten und sich damit des schwer wiegenden Verdachts auszusetzen das Meisterschaftsrennen in Liga vier manipuliert zu haben, ist nicht überliefert.

Dass der BVB-Konkurrent aus Lotte, der ein Punkt hinter den Schwarz-Gelben den Drittliga-Zug verpasst hat, mehr als nur die Nase rümpft und das Wort "Betrug" ins Feld führt, ist verständlich. Der BVB gewann an der Hafenstraße 4:0.

Günter Abel, der am Sonntag mit seinem VfB Homberg zu Gast im Leimbachstadion war, hat diese Langeweile aus seiner und seiner Kicker Sicht mal in Worte gefasst. Praktisch seit Februar ist dem Trainer klar, dass es für den VfB um nichts mehr geht. Mt ihm wissen das die NRW-Liga-Vereine ab Platz zwölf. Die in den letzten Wochen gern gespielte Posse "Wer will noch mal, wer hat noch nicht" lässt sich an vielen kuriosen Resultaten ablesen. So ist ein 6:0 oder 0:6 seit geraumer Zeit ein beliebtes Ergebnis, das zeigt, dass vielen Teams neben fehlender Klasse auch die Motivation fehlt sich in irgendeiner Weise in dieser Liga noch zu echauffieren.

Blicken wir in untere Regionen, so kämpfen in der Landesliga drei Teams aus dem Kreis und eins aus der Umgebung um den dritten Aufstiegsrang. Die besten Karten hat die Reserve des TuS Erndtebrück. Man höre und staune. Das Team von Trainer Florian Schnorrenberg schaffte es im letzten Jahr am allerletzten Spieltag den SV Ottfingen vom Bezirksliga-Thron zu stürzen. Und jetzt strebt man den Durchmarsch in die Verbandsliga an. Das Image der Fahrstuhl-Mannschaft ist abgelegt, hat man doch in der Vergangenheit nach jeweils nur einjährigem Gastspiel die Landesliga wieder verlassen müssen.

Andere Konkurrenten, wie der SV Rothemühle oder auch der TSV Weißtal, sind ins Hintertreffen geraten. Wobei man sich vor allem im Nachbarkreis fragt, ob eine Zugehörigkeit zur Verbandsliga überhaupt Sinn macht. Die zu erwartende Konstellation in der nächsten Saison mit so lukrativen Nachbarschaftsduellen gegen Wenden, Hünsborn und - vermutlich - der SpVg Olpe lassen einen Verbleib in der Landesliga - wenn nicht ratsam - aber doch überlegenswert erscheinen.

Ganz bestimmt trifft das nicht auf die U23 der Siegener Sportfreunde zu. Die hatten sich nach dem im Vorjahr verpassten Sprung in die höhere Klasse den Aufstieg in dieser Saison auf die Fahnen geschrieben. In Sachen Unterbau für das künftige Regionalliga-Team wäre das auch wichtig gewesen. Mit fünf Zählern Rückstand auf Rang drei bei noch ausstehenden vier Spielen wird das jedoch nur schwer zu realisieren sein.

Ob das nur an den zögerlichen Abstellungen aus dem NRW-Liga-Kader fest zu machen ist, lassen wir mal dahin gestellt. Geholfen hat das Trainer Daniel Cartus jedenfalls nicht. Der war zudem bei mehr als der Hälfte der Spiele wegen seiner Doppelfunktion als Co-Trainer von Michael Boris gar nicht dabei.  Das oft beklagte Fehlen eines "Leitwolfs" für die junge Truppe ließe sich schon allein dadurch erklären.

Neue Strukturen schaffen - und damit von der großen Reform im Verband zur richtungsweisenden bei den Sportfreunden - stehen den Mitgliedern bei der anstehenden Jahreshauptversammlung am 30. Mai im Leonhard-Gläsersaal der Siegerlandhalle ins Haus. Dort wird die Schaffung einer Spielbetriebs-GmbH angestrebt, die den Betrieb der beiden Senioren-Mannschaften vom Hauptverein abkoppelt. Tipps dazu hatte man im übrigen beim TuS Ferndorf eingeholt, der dieses Modell im Hinblick auf die Zugehörigkeit zur 2. Handball-Bundesliga aufgestellt hatte.

Als Geschäftsführer der GmbH ist der jetzige Vorstands-Vorsitzende Ulrich Steiner vorgesehen. In diesem Zuge wird der Aufsichtsrat aufgelöst, ihm soll ein Wirtschaftsrat folgen. Der Vereins-Vorstand wird von jetzt drei auf sieben Mitglieder aufgestockt. Alles neu macht also der Mai - auch wenn es erst am vorletzten Tag des Wonnemonats passiert.