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Leo Bassis Dreieinigkeit aus Geld, Macht und Dummheit

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Leo_Bassi_019Zwei Mal Leo Bassi im Siegener Apollo-Theater: Hier als Anzug tragender Provokateur... Fotos: Helmut BlecherLeo_Bassi_052...und hier, sanft lächelnd, im Clowns-Kostüm. Respektlos kommt er in beiden Aufzügen daher.Leo Bassi ist in Siegen ein gerne gesehener Gast. Dennoch zieht man es vor, ihn, ob seiner unvorhersehbaren skurrilen Aktionen unter Einbindung des Publikums, nicht unbedingt von der ersten Reihe aus zu erleben. Bei seinem Auftritt im Rahmen des Siegener Sommerfestivals im Apollo ließ der gefährlichste Clown der Welt seine Zuhörer weitgehend unbehelligt und unternahm sattdessen einen verbalen Rundumschlag wider die Mechanismen der Macht und der Angst in Zeiten der Krise.

Mit den Mitteln der Clownerie und der Provokation plädierte er für die Utopie von einer besseren, schöneren und gerechteren Welt, in der jeder Mensch sein kreatives Potenzial zum Nutzen aller ausschöpfen kann. 

Leo Bassi, in New York geborener Spross einer italienisch-französischen Zirkusfamilie, ist berüchtigt und gefürchtet. Als eine Art Bühnen-Robin-Hood nimmt er den Reichen und Mächtigem, den Trägen und Satten die Berechtigung, sich zu bereichern. Dabei sind seine Provokationen und Schockeffekte für ihn niemals Selbstzweck, sondern dienen dazu, seine  Botschaft besser in den Köpfen seines Publikums zu verankern.

„Utopia“ nennt er seine aktuellen Blick die Zukunft, die er mit Blindenstock und Kinderwagen auf der Bühne spazieren führt. Bassi ist wütend und melancholisch zugleich. „I’m a fucking angry man“, der sich von der Eurokrise um die Früchte seines Lebens bedroht fühlt. Die Aussicht auf die Rente mit 62 ist für den in Spanien lebenden Clown dahin. Er muss noch ein paar Jahre länger die Leute zum Lachen bringen.

Er macht es gerne und mit großer Leidenschaft. In einem für alle verständlichen Englisch erklärt er  seinen Zuhörern, welch widerwärtige Kapriolen die wahnwitzige Welt der Hochfinanz schlägt.  Nicht Leo Bassi ist verrückt, die Welt ist verrückt geworden.

Da möchte er an liebsten "Kuhscheiße auf die Häupter" derjenigen ausschütten, die es sich in eben dieser Welt Golf spielend und  gut eingerichtet haben: „Heute spielen die, die damals gegen Pershing-Raketen demonstrierten, Golf in Spanien. Bassi spielt derweil Golf mit Eiern im Apollo-Theater – allerdings als  bekennender Golf-Hasser. 

Der Moralist, der Anarchist und nach dem 11. September 2001 immer noch zweitgefährlichste Clown der Welt, denkt zurück an die „Urkatastrophe Europas“, als sein Großvater 1914 in den Krieg zog und sich dennoch seine Menschlichkeit bewahrte. Der Krieg Bassis gegen die Katastrophe der menschlichen Gier mündet in den Traum von Utopia, in der die Magie und die kindliche Unschuld das Sein der Menschen bestimmt.

Statt billigem Frohsinn plädiert er für die Freude am Leben, in dem Theater pure Emotion ist. Mit einem Holzhammer zertrümmert er die Spielzeugfiguren von Bankern und gibt sich selbst, im Kostüm des Weißen Clowns, der Illusion vom wahren Zirkusleben hin, in dem alles, auch das Unechte, nur dazu dient die Leute zum Lachen zu bringen. 

Leo Bassi selbst lässt seine Zuschauer nicht im Unklaren darüber, was er tut oder nicht, was echt ist oder falsch. Als er via Playback mit Wasser gefüllte Gläser zum Singen bringt, klärt er auf: „Respektlos die Wahrheit zu sagen, das ist die Aufgabe des Clowns“. Uns verleiht die universale Weltsicht des Utopisten und Träumers Flügel und lässt uns auf eine bessere Zukunft hoffen. (hbg)