Am Wochenende erhielten die Ideengeber den Bundespreis der Initiative „365 Orte im Land der Ideen“. Damit ist Siegen einer von 365 ausgezeichneten Orten in Deutschland. Gewürdigt werden die Bemühungen um so genannte türkische Heiratsmigrantinnen, die sich nur schwer in Deutschland integrieren können. Diesem Missstand begegnen Elternverein und Diakonie mit einer Qualifizierungsreihe. Die Frauen erhalten Aus- und Fortbildung im sozialen Bereich, beispielsweise in der Kinderbetreuung oder Altenpflege.
Zu dem Programm gehören darüber hinaus Informationen zum deutschen Sozialsystem sowie dem Zusammenleben in Kommune und Gesellschaft. Auch die Familien der Teilnehmerinnen werden in den Prozess eingebunden. Auf diese Weise werden die Heiratsmigrantinnen auf ihrem Weg zur Integration intensiv begleitet. Zusätzlich engagieren sich Elternverein und Diakonie dafür, dass Arbeitgeber nach der 13-montaigen Qualifizierungsphase ihre neu gewonnenen Mitarbeiterinnen in eine bezahlte Anstellung übernehmen.
Eine Projekt, „das Perspektive schafft“, wie Bürgermeister Mues vor vollbesetzten Stuhlreihen im Bürgerhaus Geisweid erklärte. „Nicht nur das Projekt, sondern auch die Teilnehmerinnen haben Vorbildcharakter.“ Projektleiterin Iris Jänicke (Diakonie netzwerkarbeit), die den Preis gemeinsam mit Gül Ditsch (Deutsch-Türkischer Elternverein) entgegen nahm, freut sich über die Wirkung der gemeinsamen Idee. Die Auszeichnung sei ein weiterer Ansporn. „Meist haben die Teilnehmerinnen nur Grundschulbildung und halten nach einer kleinen Prüfung zum ersten Mal in ihrem Leben ein Zertifikat in der Hand.“
„Das ist eine ganz große Leistung“, attestierte auch Landrat Paul Breuer. Die Integration in Deutschland sei eine Herausforderung, wie sie nur mit solchen Ideen gelinge. „Sonst besteht die Gefahr, dass sich Migranten wie Schnecken im Schneckenhaus verziehen.“ Christoph Wintershoff von der Deutschen Bank dankte den Initiatoren: „Sie machen Menschen Mut.“ Das Projekt sei ein Beispiel für Kreativität und Engagement.
Beides zeigte sich auch im Rahmenprogramm der Preisverleihung. Der 12-jährige Can Raul Alpagut griff kunstvoll in die Keyboardtasten, die 9-jährige Eylül Altinok spielte Querflöte und eine Mädchengruppe entbot farbenfrohen Tanz. Prof. Dr. Stefan Kutzner beleuchtete die Begegnung mit dem Fremden aus der wissenschaftlichen Perspektive.

















