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Wenn sich Nachbarn digital vernetzen

Auf der Plattform nebenan.de können sich Nachbarn digital vernetzen und gegenseitig unterstützen. Foto: Uni Siegen

Eine Mitfahrgelegenheit zum Arzt in der nächsten Stadt, die gemeinsame Planung eines Festes oder die Suche nach Hilfe im Haushalt: Eine digitale Dorfplattform soll in sechs Wittgensteiner Dörfern die Nachbarschaft fördern. Initiiert wird das Projekt von ForscherInnen der Universität Siegen.

Von mangelnder Dorfgemeinschaft kann Kai-Uwe Jochims in Arfeld nicht reden – im Gegenteil. Die Menschen im Bad Berleburger Ortsteil sind in vielerlei Hinsicht aktiv. Der Ortsvorsteher sieht aber vor allem im digitalen Bereich noch Verbesserungspotential. „Wir haben zum Beispiel eine Mitfahrerbank, auf der Menschen Platz nehmen können, die nach einer Mitfahrgelegenheit suchen. Es wäre doch schön, wenn es zusätzlich eine Möglichkeit geben würde, digital nach einer Mitfahrgelegenheit zum Arzt zu suchen.“

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Genau das ist ab sofort möglich. Im Rahmen des Forschungsprojektes „Digitale Dorf.Mitte“ arbeiten WissenschaftlerInnen der Universität Siegen seit einem Jahr eng mit BürgerInnen der drei Wittgensteiner Modelldörfer Arfeld, Raumland und Puderbach zusammen. Ein Wunsch, der in den Bürgerwerkstätten immer wieder genannt wurde: eine digitale Kommunikationsplattform zum Austausch, zur Planung, für Hilfegesuche. Abhilfe leistet das bundesweite und kostenlose Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de, wo sich jeder anmelden, seine Hilfe anbieten oder von den Leistungen seiner Nachbarn profitieren kann. Neben den Modelldörfern sind auch Richstein und Niederlaasphe mit von der Partie, Dotzlar soll bald folgen.

„Dörfer kommen sehr stark über die Gemeinschaft, das macht die Lebensqualität dort aus. Um diese trotz schwindender Bevölkerung zu stärken, wollen wir das Analoge mit dem Digitalen verknüpfen“, erklärt Hilde Schröteler-von Brandt, Professorin für Stadtplanung an der Uni Siegen und gemeinsam mit Architektin Dana Kurz Leiterin des Forschungsprojektes. Die Dorfplattform ist nur eines mehrerer Teilprojekte, die aus den Bürgerwerkstätten hervorgegangen sind, aber das erste, das konkret umgesetzt wird. Und die Resonanz ist groß: Rund 30 EinwohnerInnen aus Puderbach und Richstein hätten sich bereits vor der ersten Infoveranstaltung auf nebenan.de angemeldet, in Arfeld waren es 23. „Es ist enorm, wie viele Leute jetzt schon dabei sind“, freut sich Kurz.

In den Dörfern wurden Flyer und Postkarten verteilt, um die BürgerInnen über den Start des Nachbarschaftsnetzwerks zu informieren. Zum Informationsabend im Puderbacher Dorfgemeinschaftshaus kamen zahlreiche Interessierte, die von Doktorand David Struzek und Student Alexander Wick gleich Hilfe bei der Anmeldung bekamen. Am Donnerstag, 16. Januar, findet um 18 Uhr im Rumilingene-Haus in Raumland eine weitere Info-Veranstaltung statt. „Ich verspreche mir von der Plattform, dass die Hemmschwelle nach Hilfe zu fragen, sinkt“, sagt Kai-Uwe Jochims. Auch Bad Laasphes Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann ist überzeugt: „Ich bin froh, dass sich die Universität Siegen mit dem Projekt beworben hat.“ Die Beteiligten hoffen, dass die Kommunikation zwischen Jung und Alt mit Hilfe der Plattform künftig gestärkt wird – wenn aus analogen auch digitale Nachbarn werden.

 

Hintergrund

Das Forschungsprojekt „Digitale Dorf.Mitte“ der Universität Siegen ist vor einem Jahr gestartet und läuft noch bis 2020. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Projekt im Zuge der Initiative „Land Digital“ mit 200.000 Euro. Das digitale
Nachbarschaftsnetzwerk in den Wittgensteiner Dörfern ist nur eines mehrerer Teilprojekte. In Planung sind zum Beispiel auch eine digital begleitete Wanderung in Puderbach, der Anschluss des Schieferschaubergwerks an die Raumländer Dorfmitte oder ein Handy-Café in Arfeld.

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