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Schuldnerberatung hilft seit 30 Jahren

Das Team der Schuldnerberatung der Diakonie in Südwestfalen besteht aus (von links) Friedrich Spies, Manuela Kunert-Yildirim, Monika Dreisbach, Thomas Jung und Nathalie Müller. Foto: Diakonie

Beratungsstelle der Diakonie in Südwestfalen nahm ihre Arbeit am 16. Januar 1989 auf – Heute Mangel an finanzieller Allgemeinbildung

Ob nach einer Trennung, bei Jobverlust oder im Krankheitsfall: Oft führen  Schicksalsschläge zu einer finanziellen Schieflage.  Betroffene erhalten Hilfe in der  Schuldnerberatungsstelle der Diakonie in Südwestfalen an der Siegener Friedrichstraße – und das bereits seit 30 Jahren. Am 16. Januar 1989 war es Manuela Kunert-Yildirim,  die den ersten Klienten begrüßte. Sie ist auch heute noch Teil des Teams, das im Lauf der Jahre auf fünf Fachkräfte angewachsen ist.

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„Damals wie heute: die Probleme der Menschen sind die gleichen geblieben“, sagt Manuela Kunert-Yildirim. Nur selten komme es vor, dass ein Klient „einfach nur unwirtschaftlich lebt“. Meist, so die Schuldnerberaterin, gebe es ein anderes, großes Problem, wie etwa eine Trennung oder eine Krankheit, die das finanzielle Gerüst des Betroffenen zum Einsturz bringt.

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Gemeinsam mit ihren Kollegen Friedrich Spies, Nathalie Müller, Thomas Jung und Sachbearbeiterin Monika Dreisbach nimmt sich Manuela Kunert-Yildirim der Schuldner an. 284 neue Fälle wurden allein im Jahr 2018 gezählt, dazu kommen rund 130 Bestandfälle.  Zum Vergleich: Vor 30 Jahren startete Kunert-Yildirim mit 30 Klienten.

„Die Arbeit war 1989 eine ganz andere“, sagt die Frau der ersten Stunde. Das Angebot – damals noch an der Oranienstraße untergebracht – wurde durch den Kirchenkreis Siegen initiiert. Träger war die Innere Mission im Kirchenkreis Siegen. Der Fokus lag auf einem „ganzheitlichen Helfen“. So standen Hausbesuche bei den Klienten auf der Tagesordnung. Heute nimmt die Arbeit im Büro den breiteren Raum ein.

In den 1990er-Jahren stieg der Beratungsbedarf enorm an. „Und als 1999 das  Verbraucherinsolvenzverfahren eingeführt wurde, ging es explosiv nach oben“, erinnert Kunert-Yildirim. In dieser Zeit wurde auch das Personal aufgestockt. Jahrelang konnten sogar Beratungen in türkischer Sprache durchgeführt werden. „Anfragen erreichten uns dazu bis aus Mainz.“  Im Jahr 2000 stand dann der Umzug an den heutigen Standort an der Friedrichstraße an.

Auffallend sei, dass die Klienten immer jünger werden. „1989 waren es die Mittdreißiger, die sich mit Hochzeit oder gescheiterten Hausfinanzierungen übernommen hatten. Heute sind es viele Studenten und jüngere Menschen, die sich finanziell festgefahren haben“, schildert die Fachfrau. Kredite – etwa für Mobiltelefone, Computer, Fernseher oder Reisen – seien an jeder Ecke zu haben. Dazu kommen dann oftmals noch Autofinanzierungen, monatliche Gebühren für Versicherungen oder das Fitnessstudio, „und schon verliert man den Überblick“, ergänzt Thomas Jung. Und weiter: „Die finanzielle Allgemeinbildung ist heutzutage defizitär.“ Ihm zufolge resultiere dies aus einem geänderten Konsumverhalten. „Werbung und Medien erwecken oftmals den Anschein, dass jeder alles haben kann, was er sich wünscht. Fehlen dann noch die richtigen Vorbilder, etwa die Eltern oder das soziale Umfeld, setzt sich die finanzielle Abwärtsspirale in Gang“, beobachtet Jung. 

Überschuldeten Personen wird in der Beratungsstelle individuell geholfen. „Wer zu uns kommt,  hat die erste Hürde schon hinter sich“, erläutert Friedrich Spies. Einige Klienten bringen zum ersten Gespräch auch schon Unterlagen mit, „andere sind einfach nur froh, dass sie jemanden zum Zuhören gefunden haben“, sagt Nathalie Müller. Oftmals seien es nämlich nicht allein die Schulden, die den Klienten das Leben schwer machen: „Scheidung, Herzinfarkt, Arbeitslosigkeit: Es sind immer bestimmte Ereignisse, die die Menschen in diese Zwangslagen bringen“, betont Spies. Gemeinsam mit den Klienten überlegen die Berater, wie mit den Schulden umzugehen ist. „Einige können gut mit dem Minus auf dem Konto leben, andere wollen raus aus der Schuldenfalle. Da muss man schauen, was sinnvoll ist“, so Spies. Ein Weg aus der finanziellen Not heraus ist das Verbraucherinsolvenzverfahren. Damit werde die finanzielle Durststrecke überschaubar und  jeder erhalte die Chance, noch einmal bei null anzufangen.

Offene Sprechstunden für Interessierte aus dem Bereich Siegen-Wittgenstein bietet die Beratungsstelle an der Friedrichstraße 27 in Siegen immer freitags von 8.30 bis 11 Uhr an.  Erreichbar sind die Berater auch per E-Mail an Schuldnerberatung@diakonie-sw.de oder unter Telefon 0271/5003245.

 

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