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Gelebte Nachbarschaftshilfe in Buschhütten

Auch wenn sie derzeit physisch auf Abstand gehen müssen, verbindet sie ein freundschaftliches Nachbarschaftsverhältnis (von links nach rechts): Pfarrer Jörg Hausmann, vier Bewohnerinnen und Bewohner des AWO Wohnhauses Buschhütten und Einrichtungsleiter Thomas Puchelt. Foto: AWO

Evangelische Kirchengemeinde stellt AWO Räume zur Verfügung

Viele Menschen mit Beeinträchtigung, die üblicherweise in den AWO Siegener Werkstätten arbeiten, müssen aktuell zu Hause bleiben. Der Grund hierfür ist ein seit Mitte März geltendes Betretungsverbot für tagesstrukturierende Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Der AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe hat hier schnell reagiert und frühzeitig auf Heimarbeit umgestellt. Das kommt besonders denjenigen Beschäftigten zugute, die eine Sicherheit gebende Tagesstruktur benötigen.

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Dies stellt aber insbesondere die Mitarbeiter der AWO Wohnhäuser vor große Herausforderungen. Denn nun müssen die Bewohner, die unter normalen Umständen tagsüber in den Werkstätten arbeiten würden, ganztags in den Wohnhäusern betreut werden. So auch im AWO Wohnhaus in Buschhütten. „Unsere Räumlichkeiten sind nicht darauf ausgelegt, dass unsere Bewohner über Wochen hinweg durchgängig hier verbleiben, ohne irgendwann einen Lagerkoller zu bekommen“, so Einrichtungsleiter Thomas Puchelt. Er und seine Mitarbeiter wirken dem so gut es geht entgegen, unter anderem auch mit Spaziergängen an der frischen Luft in einer Eins-zu-eins-Betreuung.

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Dennoch fehlte es lange Zeit an der Möglichkeit eine „Entzerrung“ herbeizuführen, die es den Bewohnern zumindest zeitweise erlaubt, etwas Abwechslung von den Räumen des Wohnhauses zu bekommen.

Thomas Puchelt ging dieses Problem an, indem er kurzerhand bei Jörg Hausmann, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Buschhütten, anfragte, ob die Bewohner in das benachbarte Gemeindezentrum ausweichen können, in dem derzeit eh keine Veranstaltungen stattfinden.

Mit seiner Anfrage rannte der Einrichtungsleiter offene Türen ein, denn bereits seit neun Jahren herrscht zwischen der Gemeinde und dem AWO Wohnhaus ein freundschaftliches Verhältnis. „Wir besuchen uns regelmäßig gegenseitig auf Gemeindefesten oder Sommerfesten des Wohnhauses“, so Pfarrer Jörg Hausmann. „Außerdem nehmen einige Bewohner an den Gottesdiensten teil, ein paar der Älteren auch am Seniorenfrühstück. Sie sind Teil unserer Gemeinde. Von daher stand es außer Frage, dass wir hier helfen und unsere leeren Räume zur Verfügung stellen.“

Das Presbyterium hatte ebenfalls keine Einwände, und nachdem schließlich auch Gesundheits- und Ordnungsamt grünes Licht gegeben hatten, stand fest: Die Bewohner können vormittags die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums nutzen – natürlich unter den üblichen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen: Nur maximal zwölf Bewohner und fünf Betreuer dürfen sich in dem großen Saal, der eigentlich für 120 Personen ausgelegt ist, aufhalten. Die Tische stehen so, dass die Abstandsregeln eingehalten werden können. Der kurze Fußweg vom Wohnhaus zum Gemeindezentrum und später wieder zurück wird in kleinen Zweier-Gruppen angetreten – alleine dieser kleine Spaziergang ist für viele Bewohner schon ein Highlight.

Die Möglichkeit des Ortswechsels und der damit verbundenen Entzerrung, ist nur eine kleine Veränderung, die sich jedoch positiv auf den Alltag im AWO Wohnhaus Buschhütten auswirkt. „Wir wissen dieses Privileg zu schätzen und sind sehr dankbar. Unsere Bewohner und Mitarbeiter sind dadurch deutlich entspannter“, so Thomas Puchelt.  Pfarrer Jörg Hausmann ergänzt: „Wenn ich mich in der Nähe des Gemeindezentrums aufhalte, höre ich unsere Gäste oft ausgelassen reden und fröhlich lachen. Darüber freue ich mich und es zeigt uns allen, dass selbst kleine Gesten von gelebter Nachbarschaftshilfe wichtig sind und für viele Menschen einen entscheidenden Unterschied machen können.“

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