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Julian ist als Krankenpfleger angekommen

Der 24-jährige Julian Mikli (rechts) aus Albanien hat als Erster das Projekt „Pflege kennt keine Grenzen“ der Diakonie in Südwestfalen in allen Stufen durchlaufen und arbeitet nun als Gesundheits- und Krankenpfleger im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Initiator Dirk Hermann unterstützt in dem Projekt junge Flüchtlinge dabei, eine Ausbildung in der Pflege zu finden. Foto: Diakonie

„Pflege kennt keine Grenzen“: Junger Albaner absolviert erfolgreich Projekt der Diakonie in Südwestfalen

Siegen. Stolz und überglücklich hält Julian Mikli sein Abschlusszeugnis in den Händen. Der junge Albaner ist seit 2015 in Deutschland, darf sich nun offiziell examinierter Altenpfleger nennen und ist damit der Erste, der das Projekt „Pflege kennt keine Grenzen“ der Diakonie in Südwestfalen in allen Stufen durchlaufen hat. Dirk Hermann, Initiator und Referent für Freiwilligendienste unterstützt in dem Projekt seit vier Jahren junge Flüchtlinge dabei, eine Ausbildung in der Pflege zu finden und begleitet sie auf ihrem Weg.

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Gemeinsam mit Andrea Wolf, Lehrerin im Pflegebildungszentrum Siegen und ehemals Qualitätsbeauftragte der Diakonischen Altenhilfe Siegerland, hatte Hermann im Jahr 2016 die Idee. „Weil 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, haben wir gemeinsam überlegt, wie wir einen Beitrag zur Integration leisten und dem Fachkräftemangel entgegenwirken können“, erzählt Dirk Hermann. Dass das Projekt gute Früchte trägt, zeigt Julian Miklis Werdegang. Zu Beginn machen die Asylbewerber für 12 bis 18 Monate ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Dabei sammeln sie dreimal in der Woche praktisches Wissen im Diakonie Klinikum oder in Einrichtungen der Diakonischen Altenhilfe Siegerland. An den anderen Tagen lernen sie Deutsch, um die offiziellen Sprachprüfungen zu bestehen. Die Prüfungen sind nämlich Voraussetzung für die spätere Ausbildung. Um die Flüchtlinge auf den Einbürgerungstest vorzubereiten, stehen auch Politik und Sozialkunde auf dem Stundenplan. „Im FSJ können sie den Pflegeberuf kennenlernen. Die meisten entscheiden sich dann auch für eine Ausbildung in der Pflege“, sagt Hermann.

Julian erfuhr von einem Freund von dem Projekt und begann im Oktober 2016 ein FSJ im Haus Obere Hengsbach, einem Seniorenpflegeheim der Diakonischen Altenhilfe. „Julian sprach kein Wort Deutsch. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt“, erinnert sich Hermann. Umso stolzer macht ihn die Entwicklung, die der 24-jährige Albaner durchlaufen hat. Mit Beginn des FSJ begann für Julian der Sprachunterricht in Deutsch. Nach erfolgreich abgeschlossener schriftlicher und mündlicher Sprachprüfung erlangte er ein Zertifikat der Stufe B2, das ihm Deutschkenntnisse auf fortgeschrittenem Niveau bescheinigt. Im Dezember 2017 startete er dann seine Ausbildung zum Altenpfleger im Haus Obere Hengsbach. Fremdeinsätze im Diakonie Klinikum Jung-Stilling und in der Ambulanten Pflege festigten seinen Wunsch in der Pflege beruflich Fuß zu fassen. „Es macht mir Spaß, alten und kranken Menschen helfen zu können. Spannend finde ich vor allem den medizinischen Bereich“, berichtet Julian. Deshalb entschied er sich nun, in der Krankenpflege weiter zu arbeiten und ist heute mit einer unbefristeten Vollzeitstelle in der Inneren Medizin im Jung-Stilling-Krankenhaus beschäftigt. Auch für Julian war die Ausbildung zu Corona-Zeiten eine besondere Herausforderung, denn seit März gab es für den jungen Mann keinen Präsenzunterricht mehr. So musste er von zu Hause lernen und Aufgaben lösen. „Es war manchmal schwierig, weil ich zu Hause allein war und nicht mit meinen Mitschülern sprechen konnte“, erzählt er. Auch die technischen Voraussetzungen für den Heimunterricht stellten ihn vor ein Problem. Hilfe und Unterstützung bekam er dabei von der Diakonie in Südwestfalen. Die praktische Abschlussprüfung fand nicht wie üblich mit einem echten Bewohner statt, sondern wurde für alle Auszubildenden an einer Puppe nachgestellt. Für Julian etwas bedauerlich: „Ich hätte gerne am echten Menschen gezeigt, was ich gelernt habe“. Doch nicht nur die Abschlussprüfungen, sondern auch alle sprachlichen und kulturellen Herausforderungen hat Julian erfolgreich gemeistert.

Dirk Hermann ist davon überzeugt, dass das Projekt ein Erfolg ist. Dafür sprechen nicht nur die Zahlen der vermittelten Ausbildungsstellen, sondern auch die Reaktion der Flüchtlinge. „Sie sind motiviert und engagiert und dankbar für die Chance. Es ist schön zu sehen, dass ihnen die Arbeit Spaß macht und sie sich gut integrieren.“ Sieben junge Menschen haben die Ausbildung bereits abgeschlossen. 23 Flüchtlinge machen aktuell eine Ausbildung. 12 Teilnehmer befinden sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr mit Aussicht auf einen Ausbildungsplatz in den Einrichtungen der Diakonie in Südwestfalen.

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